Amy Goodman: Die zum Schweigen gebrachte Mehrheit

18.01.2013

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Amy Goodman: Gründerin, Produzentin und Moderatorin der globalen Graswurzel TV- u. Radio-Sendung Democracy Now in den USA, Trägerin des Alternativen Nobelpreises, Autorin von zahlreichen Bücher, darunter "The Silenced Majority. Stories of Uprisings, Occupations, Resistance and Hope" (2012), New York City

Medien in den USA unterdrücken Mehrheitsmeinung / Democracy Now: Friedensstifter statt Kriegstreiber

18.01.2013

"Die Medien könnten die größte Friedensmacht der Welt sein, stattdessen werden sie als Kriegswaffen eingesetzt", sagt Amy Goodman. Kriegskritiker kämen in den USA praktisch nicht zu Wort, abweichende Meinungen würden ausgefiltert. Die Medienkonzerne gäben oft nur die Positionen der Konzerne und der Politiker wieder, die von Konzernen finanziert werden. So schrumpfe die von den Medien abgebildete Meinungsvielfalt in den USA zunehmend. "Ich nenne es 'die zum Schweigen gebrachte Mehrheit', denn diejenigen, die gegen Krieg, gegen Folter sind, die wegen Armut und der Kontrollmacht der Unternehmen tief besorgt sind, sind keine Randgruppe. Sie sind nicht einmal eine schweigende Mehrheit, sondern eine Mehrheit, die zum Schweigen gebracht wird. Sie wird mundtot gemacht von Medienunternehmen, und das müssen wir ändern".

Wachsende Ungleichheit in USA / Übermacht der Finanzindustrie und Großkonzerne / Occupy: Erst Anfang des Wendepunkts

18.01.2013

Die Protestbewegungen in Wisconsin oder die Occupy-Bewegung seien eine Reaktion auf die wachsende Ungleichheit in den USA, sagt Goodman. "Unser Land wird von Tag zu Tag ungerechter und ist weltweit eines der Länder mit der geringsten Gleichbehandlung." Doch weder die Republikaner noch die Demokraten wollten daran etwas ändern. So habe Präsident Obama z.B. die Forderung der Mehrheit der Amerikaner nach einer öffentlichen Krankenversicherung mit seiner Reform blockiert. Gleichzeitig umgebe Obama sich mit Bankern, so dass sie vor strafrechtlicher Verfolgung geschützt sind. "Es wird einen Wendepunkt geben, das werden wir erleben. Und ich glaube, die Occupy-Bewegung war erst der Anfang dieses Wendepunktes".
 

Übergriffe gegen Occupy und Journalisten / Militarisierung der Polizei / Festnahme Goodmans 2008

18.01.2013

Amy Goodman und zwei weitere Kollegen von Democracy Now wurden am 1. September 2008 in St. Paul bei der Berichterstattung über den Parteitag der Republikaner von der Polizei festgenommen, während sie eine Friedensdemonstration filmten. Der Fall erregte großes Aufsehen. Eine Protestwelle zwang die Polizei, die Journalisten wieder frei zu lassen. Über 40 Reporter wurden an jenem Wochenende festgenommen. Democracy Now verklagte die Polizei sowie den Geheimdienst, gewann den Vergleich und erhielt eine finanzielle Entschädigung. Die Polizei wurde außerdem verpflichtet, ein Konzept zum Umgang mit Reportern zu entwickeln. Ein wichtiger Erfolg, sagt Goodman, denn die Polizei werde in den USA immer stärker militarisiert. Die gewalttätigen Repressionen der Behörden gegenüber der Occupy-Bewegung, gegen jedwede Form des Widerspruchs seien besorgniserregend. Das dürfe nicht hingenommen werden.

Haiti und Osttimor: US-Medien als Komplizen Washingtons / Goodman deckte US-gestützte Coup d'Etats und Massaker auf

18.01.2013

1991 und 2004 initiierten die USA Staatsstreiche gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Haitis Bertrand Aristide. In Osttimor marschierte das indonesische Militär 1975 ein, besetzte die Insel und brachte ein Drittel der Bevölkerung um. Die USA lieferten an das Suharto-Regime 90 Prozent der Waffen für diesen Völkermord. Die amerikanischen Medien schwiegen über diese Verbrechen und folgten unkritisch den Verlautbarungen der US-Regierungen. Goodman deckte die Hintergründe der Staatsstreiche in Haiti auf und berichtete über ein brutales Massaker des indonesischen Militärs, das sie 1991 überlebte. Ihre Reportagen trugen dazu bei, Druck auf Washington auszuüben. Osttimor errang 2002 seine Unabhängigkeit, Aristide konnte 2012 wieder nach Haiti zurückkehren. "Wir müssen jeden Tag eine Entscheidung treffen: Wollen wir das Schwert oder das Schild repräsentieren?"