09.12.2014

get embedding code

Städte in Bürgerhand: Transition Towns und die ökologisch-soziale Revolution von unten

Angesichts von Klimawandel, Finanzkrisen und knapp werdenden Ressourcen („Peak Oil“/“Peak Everything“) tun sich in immer mehr Gemeinden weltweit Menschen zusammen, um einen Wandel von unten einzuleiten. In den sogenannten „Transition Towns“ geht es beispielsweise darum, Bereiche wie Energieversorgung, Landwirtschaft, Verkehr und Finanzen soweit als möglich aus der globalisierten Wirtschaft herauszulösen und in die Hand von Bürgern zu bringen. Dieser Wandel wird von vielen nicht als eine Sache des Verzichts sondern als ein Gewinn an Lebensqualität und als Revitalisierung gemeinschaftlichen Lebens erfahren.

Gäste: 
Tony Greenham, New Economics Foundation, London / Transition Network
Sarah Ackerbauer, Transition Town / Dresden im Wandel
Benjamin Best, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
Transkript: 

Tony Greenham: Bei der  Transition-Town-Bewegung geht es um Gemeinschaften, um Menschen, die dort, wo sie leben, die Wirtschaft und die gesellschaftlichen Strukturen verändern wollen. es geht darum, Ökonomie und Gesellschaft mit der Vision eines sozial gerechten Planeten in Einklang zu bringen. Klimawandel, Peak Oil – also die Begrenztheit der fossilen Ressourcen – und wirtschaftliche Unsicherheit sind große Probleme, und es scheint so, als sei es für einen Einzelnen oder eine kleine Gemeinschaft unmöglich, etwas daran zu ändern. Bei der Transition Town geht es jedoch darum, eine positive Vision zu haben. Es gibt vieles, was wir in unseren eigenen Gemeinschaften jetzt sofort machen können. Es scheint zunächst klein, aber wenn wir alle zusammenarbeiten, können wir etwas verändern. Offiziell gibt es jetzt mehr als 1200 Initiativen in 44 Ländern überall auf der Welt. Es ist also eine Botschaft, auf die die Menschen antworten. Es ist aber wichtig, Unterschiede zu beachten. Gemeinschaften nehmen Ideen unterschiedlich auf, und stehen in ihrem eigenen ökonomischen und kulturellen Kontext. Die Art der Projekte hängt also davon ab, wo sie entstehen. Es sind oft sehr praktische Dinge: der Anbau von Lebensmitteln, die Einführung nachhaltiger Transportmittel in einem Unternehmen, der Bau nachhaltiger Gebäude oder die Überführung von Energienetzen und Kraftwerken in gemeinschaftlichen Besitz. Dabei geht es auch darum, die Wirtschaft wieder aufzubauen. Man sollte auch betonen, dass es wichtig ist, wie die Menschen sich fühlen. Sie haben vielleicht Angst, wenn sie von all den Problemen auf der Welt hören. Wir sollten unsere Werte überdenken, und uns miteinander verbunden fühlen, denn daraus ziehen wir Stärke.

Fabian Scheidler: Welche Rolle spielen dabei lokale Währungen?

Lokale Währungen sind ein gutes Beispiel für ein Werkzeug, das Gemeinschaften erlaubt, mehr Einfluss auf ihre lokale Wirtschaft zu erlangen. Sie machen auch die Lieferketten unserer Unternehmen transparent. Es wird einfacher, Unternehmen zu unterstützen, die ökologisch und sozial sinnvolle Lieferketten haben, also Unternehmen, die lokale Produkte verwenden und Menschen aus der Umgebung beschäftigen. Außerdem sind diese Währungen ein greifbares Symbol, das den Menschen einen gewissen Stolz und Energie gibt. Es gibt ihnen ein Gefühl von wirtschaftlicher Ermächtigung. Momentan ist die Wirtschaft für uns ein globales System, das von großen Unternehmen kontrolliert wird, während wir auf die Rolle von Konsumenten reduziert werden. Aber Gemeinschaftswährungen zeigen, dass wir mehr Macht über unsere Wirtschaft haben können.