10.11.2021
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Einleitung: 

Das Interview ist in Englisch, da wir keine Kapazitäten haben, es schnell mit einem deutschen Voice Over zu versehen. Es können zum besseren Verständnis aber englische Untertitel eingeschaltet werden. Eine deutsche Übersetzung wird nachgeliefert.

Interview mit Kumi Naidoo auf der COP26 in Glasgow.

Wir leben in der entscheidenden Phase der Menschheitsgeschichte, sagt Kumi Naidoo gegenüber Kontext TV. Die nächsten zehn Jahre entscheiden über unsere Zukunft. Es gäbe aber weiter eine große Kluft zwischen der Klimakrise und der Politik, während uns die Zeit weglaufe. Die Regierungen, oft gekauft von fossilen Industrien, bieten wie gewohnt nur Trippelschritte an, aber keine nachhaltige Transformation. Doch es gibt auch eine Welle an Widerstand gegen den falschen Kurs außerhalb der Verhandlungen.

Naidoo unterstützt die Initiative "Non-Proliferation Treaty for fossil fuels", getragen von hunderten zivilgesell. Gruppen und Nobelpreisträger*innen, für einen Nichtverbreitungsvertrag für fossilie Brennstoffe. Jeder Cent, der noch in Fossile investiert werde, bedeute nämlich weitere Schulden für unsere Kinder. Die COP in Glasgow sei zudem die exklusivste, elitärste Weltklimakonferenz. Die fossile Delegation stelle mit über 500 Vertretern die größte Delegation. Das sei, als würde bei einem Kongress der Anonymen Alkoholiker die Alkoholindustrie die größte Delegation stellen.. Naidoo unterstützt auch das Projekt "Global Carbon Removal" , das Methoden vorantreiben will, die Kohlenstoff aus der Atmosphäre binden. Um vor allem Entwicklungsländer vor den Folgen der Erderhitzung zu bewahren, müsse auch über wissenschaftlich überprüfte Möglichkeiten in diese Richtung nachgedacht werden. Dafür brauche es ein unabhängiges wissenschaftliches Gremium. Die Rückholung in Form von Aufforstungen zum Beispiel müsse zusätzlich zur schnellen Dekarbonisierung geschehen. Damit könne auf lange Sicht auch die Temperatur wieder heruntergebracht werden auf 1 Grad Celsius.

Naidoo fordert von den Bewegungen, sich selber zu reflektieren und sich der Tatsache zu stellen, warum man bisher nicht genug erreichen konnte. Das liege auch daran, dass man oft zu weit entfernt von den normalen Menschen in ihrem Überlebenskampf sei. Das müsse sich ändern. Die Klimakrise und die Lösungen müssten stärker die Lebensumstände der Menschen, den Gerechtigkeitsaspekt und den Kampf gegen Armut ins Zentrum stellen.

Der als Fellow an der Bosch Stiftung im Moment in Berlin lebende Naidoo ist beeindruckt von der jungen Klimabewegung in Deutschland. Die Proteste müssten sich aber noch steigern, das sehe man am lauen Wahlausgang , obwohl die Bewegungen Klima oben auf die Agenda setzen konnten. "Die Menschen in Deutschland sollten nicht auf die nächste Wahl warten, sondern müssen jetzt mobilisiern." Hoffnungen geben Naidoo die jungen Menschen. Sie sehen die alten Probleme mit neuen Augen. Das Möglichkeitsfenster schließe sich zwar schnell, aber man müsse so lange kämpfen, wie es möglich ist, um das Fenster weiter zu öffnen. Man dürfe es nicht zulassen, dass die 1%, die für die Zerstörung des Planeten verantwortlich sind, damit durchkommen.

Gäste: 

Kumi Naidoo ist ein südafrikanischer Umwelt- und Menschenrechtsaktivist. Er war von August 2018 bis Dezember 2019 Generalsekretär von Amnesty International. Von November 2009 bis Dezember 2015 war er Direktor von Greenpeace. Er war der erste Afrikaner an der Spitze der Organisation. Naidoo ist im Moment Fellow an der Robert Bosch Academy in Berlin.